Biografie-Walter

Walter

1967 Ich bin 17, habe noch Träume und die heißen ganz bestimmt nicht Mathe, Deutsch, Englisch, Französisch, sondern frei und faul sein. Statt Hausaufgaben und Paukerei für die Schule den ganzen Nachmittag Musik in Radio Free Europe, AFN-Munich und Club 16 hören, die Hits der "Roaring Sixties" auf dem Klavier nachspielen und von einer Band träumen.
Es gibt altmodische Tanzsäle ohne Ende, aber nur wenige gute Gruppen, die sich mit dem neuen Beatsound abmühen. Eine der angesagtesten Gruppen, die Güter Eichner Band, löst sich auf, ich darf bei deren Schlagzeuger Heinz Kaiser vorspielen. In Ehrfurcht erstarrt vernehme ich, dass ich bei seiner neuen Band zusammen mit dem Bassisten Rudi Liebhardt, dem Alleskönner Kurt Gröger und dem Gitarristen Kucky (Josef Kukofka, der ebenso ein musikalisches Greenhorn ist wie ich) einsteigen darf. Sie wird Separation heißen, bayrisch Säbräschn. Ein Jahr harte Probe bis zum ersten Auftritt.
1968 Im Herbst 68 findet unser erster Auftritt im Streibl-Saal in Dorfen statt. Innerhalb eines Jahres erobern wir mit unserer Covermusik alle bekannten Tanzsäle der damaligen Landkreise Wasserburg, Ebersberg, Erding, Mühldorf, kommen bis Landshut und Rosenheim und gewinnen Wettbewerbe und einen riesigen Fankreis.
1969-70 Träume vom Berühmtwerden, Auftritte mit Peter Rubin, Chris Roberts und Michael Holm als Begleitband, aber das war nicht mehr meine Richtung, ich verachtete diese Schlageraffen. Bei mir wird alles härter und progressiver - Woodstock und Marihuana, Cream mit Eric Clapton, Nice, Ten Years After, Emmerson, Lake and Palmer, Santana, Greatful Dead, Frank Zappa, Deep Purple - das war das einzig Wahre. Ich wollte eigentlich kein "Tanzmucker" mehr sein.
1971-72 Heinz kündigt seinen Ausstieg zum Jahresende an. Ein neuer Schlagzeuger, Sepp Veit aus Rosenheim, bringt frischen Wind und eine Änderung unseres Sounds, wir werden endlich härter und die großen Erlacher Zeiten brechen an. Ich gehe fremd mit einer neuen 2-Mann-Band, die ich zusammen mit Ernst Findeis gründe: Einfach So nennen wir dieses Experiment. In Erlach treffe ich das erste Mal bei einem Festival die Band Zauberberg und höre Mike Huber an der Sologitarre und Mario Lehner als Leadsänger. Wow!!! Der Schlagzeuger Jürgen Rossmann spielt mit 2 Fußtrommeln.
1973-74 Wir spielen jetzt Steely Dan und Eagles, Deep Purple und Steppenwolf, die Haare werden länger. Wir treten auf den ersten zaghaft organisierten Open-Airs auf. Neben Separation gibt es jetzt auch noch Einfach so, zu denen inzwischen ein Saxophonist aus Landshut (Harry irgendwie), eine Sängerin(Liserl Schwimmer) und Jürgen Hoffmann (Groove) als Bassist gestoßen sind. Die erste Aera der Band Separation geht zu Ende, als Kucky und Rudi aussteigen. Da merke ich erst, dass die Band nicht kaputt gehen darf. Sepp Veit hört auch auf, nimmt aber meinen Impuls "Einfach so" mit in sein Rosenheimer Gäu. Das wird noch Folgen haben. In Rosenheim schreibe ich zusammen mit Sepp und zwei weiteren Rosenheimern jede Menge Eigenes.
1975-77 Ein Neuanfang mit Mike Huber, Hans Bialas, Jürgen Rossmann und dem einzigen Gründungsmitglied außer mir, Kurt Gröger. Ein Hauch von Zauberberg geht durch die Band. Doch es bleibt Separation auch wenn wir professioneller werden. Unsere erste Schallplatte entsteht. Inspiriert von der östereichischen Rockmusik machen wir mit Paul Bichler ( Emmeringer Wirt ) als Produzent die Titel Endlich a Tag ohne di und Fahr´ma nach Emmering! Doch wir sind zu früh dran. Die neue deutsche Welle und die bayrischen Rockbands kommen erst. Hans steigt am Ende des Jahres aus beruflichen Gründen aus. Ich steige zusammen mit Mike in die Band Zauberberg ein. Separation und Einfach so laufen weiterhin.
1978-81 Wolfgang Dietl kommt. Wir machen jetzt jede Menge eigene Stücke und führen sie auch auf. Die neue deutsche Welle beginnt zu rollen. Gleichzeitig beginnen die Auftritte mit Zauberberg. Mein Leben besteht jetzt aus Musik, Musik und nochmal Musik. Was ich in Rosenheim erarbeite, bringe ich bei Zauberberg unter. Macht das Komponieren Spaß! Langsam wird es für unsere Band brenzlig. Mike steigt bei Konstantin Wecker ein und probt für die Tour. Er kündigt seinen Ausstieg an. Gott sei Dank platzt die Geschichte. Doch Zauberberg fordert auch immer mehr Tribut, denn die Auftritte werden mehr und es kommt zu Terminproblemen. 1981 wird klar: Das Ende von Separation hat geschlagen. Ich heule wie ein Schlosshund, als wir in der Turnhalle in Grafing unseren letzten Auftritt haben. Ein Traum geht zu Ende.
So dachte ich jedenfalls. Konnte ich ahnen, dass Mike und ich es kaum ein Jahr ohne diese Musik aushalten würden. Die Geburtsstunde der Panzerknacker schlug.